Das Weingut liegt in der Gemeinde Oberspay im deutschen Anbaugebiet Mittelrhein. Der ehemals landwirtschaftliche Mischbetrieb wurde von Adolf Weingart in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf reinen Weinbau umgestellt und damit die Basis für den heutigen Qualitätsbetrieb gelegt. Seit dem Jahre 1996 wird das Gut von Florian Weingart und Familie weitergeführt. Die Eltern Adolf und Helga Weingart betreiben ein Ferienhaus mit Blick auf den Rhein und helfen im Weingut mit. Die Weinberge umfassen 11 Hektar Rebfläche in den Einzellagen Engelstein, Feuerlay und Ohlenberg (Bopparder Hamm). Zu über 90% wird Riesling, sowie etwas Spätburgunder (8%) kultiviert. Es wird großer Wert auf enge Zeilenbreiten und hohe Rebstockdichte gelegt, was zu einer tieferen Wurzelbildung zwingt. Nach der überwiegend angewendeten Spontangärung verbleiben die Weine in Edelstahltanks. Die Weine lagern darin bis Ende April auf der Vollhefe, dann erfolgt der erste Abstich und Lagerung auf der Feinhefe bis zur Flaschenabfüllung. In witterungsmäßig geeigneten Jahren werden auch Trockenbeerenauslesen und Eisweine gekeltert.
Sieht man einmal vom recht einfachen trockenen Basiswein ab, präsentiert sich Florian Weingart heuer wieder auf höchst erfreulichem Niveau. Kern des Sortiments sind die Spätlesen, die heuer im trockenen, halbtrockenen und süßen Bereich ausnahmslos Substanz und Charakter vorweisen und durchweg großes Trinkvergnügen bereiten. Noch ein Stück beeindruckender sind die Edelsüßen Rieslinge, allen voran der großartige Eiswein, der sich trotz seiner erheblichen Dimensionen klar zu seiner Herkunft bekennt. Er ist der mit Abstand stärkste aller heuer von uns vom Mittelrhein probierten Weine - und Weingarts Sortiment insgesamt auch jenes, das uns im Gebiet am meisten überzeugte. Zum zweiten Mal nach 2008 (damals für den Jahrgang 2006) erhält Florian Weingart daher unsere Kollektion des Jahres. Großes Kompliment!
Angesichts des für den Mittelrhein eher schwierigen Jahrgangs sind die Weine auch heuer wieder fast durchweg gelungen. Die Rieslinge sind oft fest gewirkt und herkunftstypisch, nur manchmal etwas rustikaler, als wir es von Florian Weingart gewohnt sind.
Eine sehr geschlossene Serie überwiegend hochklassiger Weine. Dabei weichen die Rieslinge mit ihrer hochreifen und recht kraftvollen Art ein wenig vom gewohnten Stil des Jahrgangs ab und erinnern zuweilen an eine Mischung aus 2003 und 2006 - freilich an die gelungenen Vertreter dieser Jahrgänge. Einige Weine waren zum Zeitpunkt noch deutlich hefig und etwas von der Gärung geprägt, so dass in den meisten Fällen ein wenig Flaschenlager nicht schaden kann. Hier und da halten wir auch eine weitere Steigerung für möglich.
Schon seit einigen Jahren produziert Florian Weingart aus den Lagen des Bopparder Hamm einige der besten Weine der gesamten Region. In 2006 jedoch ist ihm eine besonders bemerkenswerte Kollektion gelungen. Egal ob trocken, feinherb oder restsüß, schon die Basisweine machen viel Laune und von da an ist eigentlich alles ausgezeichnet, wobei es schwerfällt einen Favoriten zu benennen. Die phänomenale TBA steht allerdings nochmals weit über dem restlichen Sortiment. Sie ist schlicht einer der besten Weine, die am Mittelrhein je entstanden sind. Dabei sollte man nicht verschweigen, dass es schwierig sein dürfte, solch exzellente Qualitäten irgendwo auf der Welt günstiger zu erstehen. Großes Kompliment und Glückwunsch zum vierten Stern!
Die Lagenrieslinge besitzen in diesem Jahr fast durch die Bank Klasse und bereiten überwiegend großen Trinkspaß. Einige von ihnen dürften sich noch eine ganze Weile positiv entwickeln. Nur über die Entwicklungsmöglichkeiten der gerbstoffrauen Beerenauslese sind wir uns noch nicht ganz sicher.
Florian Weingart spielt in diesem Jahr sichtlich sein ganzes Können und die ebenfalls wichtige Routine aus. Zwar schwankt das Niveau innerhalb des Sortiments etwas mehr als sonst, das führen wir aber auf den Jahrgang zurück. Weitgehend vermieden hat Florian Weingart störende Gerbstoffe, die so manche Weine des Jahrganges sonst beeinträchtigen. Große Klasse bei den Süßweinen, meist ausgezeichnet bei den Spät- und Auslesen, das zeigt, wie es in diesem ansonsten sehr heterogenen Jahrgang auch gegangen wäre. Kompliment von unserer Seite und der wohlverdiente dritte Stern.
Leider ist die vorgestellte Auswahl zu klein geraten, um sich ein Urteil über die Gesamtqualität bei Florian Weingart zu machen. Die probierten Weine jedenfalls deuten darauf hin, dass Weingart mit den Jahrgangsbedingungen bestens zurecht gekommen ist. Nur die fehlende Übersicht über die einfacheren Weine steht derzeit dem 3. Stern im Weg (und verhinderte eine Teilnahme an der Auswahl zur "Kollektion des Jahres").
Mit einer brillanten Serie reintöniger und betörend fruchtiger Rieslinge aus Feuerlay und Ohlenberg stellt sich Florian Weingart hier zum ersten mal ausführlich vor. Damit gelingt ihm auf Anhieb der Sprung in die 2-Sterne-Klasse. Da jedoch davon auszugehen ist, dass Weingart das Niveau der letzten Jahre mindestens beibehält, ist ein weiterer Aufstieg - regelmäßige Anstellung vorausgesetzt - vorprogrammiert.
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