Inhaber: Wilhelm Weil (Gutsdirektor), Suntory Verwalter: Clemens Schmitt, Weinbergsverwalter Geschäftsfuehrer: Wilhelm Weil Kellermeister: Michael Thrien & Christian Engel & Stefan Bieber
Bewirtschaftete Anbaufläche: 80.00 ha
Besucherinformation:
Verkauf: Martina Weil, Dirk Cannova, Jochen Becker-Köhn, Thomas Chaffin.
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 8.00-17.30, Sa. 10.00-17.00, So. 11.00-17.00 ganzjährig.
Das Weingut liegt in der Gemeinde Kiedrich im deutschen Anbaugebiet Rheingau und wurde im Jahre 1875 von Dr. Robert Weil (1843-1933) gegründet. Es gibt auch Wurzeln in der bekannten Bernkasteler Winzerdynastie Prüm. Durch Kauf der zwei Weingüter Nilkens und Buschmann, des Wohnhauses des verstorbenen englischen Sir John Sutton sowie Weinbergen aus dem Besitz des Grafen von Fürstenberg wurde der Besitz beträchtlich erweitert. Ein Riesling des Jahrgangs 1893 aus der Lage Gräfenberg machte das Weingut weithin berühmt. Die Auslese aus dem Kiedricher Berg wurde damals an viele Kaiser- und Königshäuser Europas geliefert. So kaufte im Jahre 1900 das Wiener Hofwirtschaftsamt für den habsburgischen Kaiserhof 800 Flaschen dieses Weines für einen Flaschenpreis von 16 Goldmark. Übrigens werden in der Schatzkammer des Hauses die Spitzenweine der großen Jahrgänge zurück bis zu jener legendären Auslese gelagert. Der Jahrgang 1920 der Kiedricher Gräfenberg Trockenbeerenauslese wird als Zeppelinwein bezeichnet, weil er bei der Weltumrundung 1929 an Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin LZ 127“ war. Im Jahre 1988 erwarb der japanische Getränkekonzern Suntory eine Mehrheitsbeteiligung am Gut. Es wird heute in vierter Generation vom Gründerurenkel Wilhelm Weil geleitet.
Die Weinberge umfassen 75 Hektar Rebfläche in den VDP-klassifizierten Kiedricher Einzellagen Gräfenberg, Klosterberg und (im Alleinbesitz) Turmberg, sowie auch anderen. Sie sind zu 99% mit dem Riesling, der kleine Rest mit dem Spätburgunder bestockt. Qualitätskriterien im Weinberg sind Begrünung, ausschließlich organische Düngung, Schädlingsbekämpfung mit biologisch abbaubaren, umweltverträglichen Mitteln, sowie völliger Verzicht auf Herbizide. Weitere Qualitätsfaktoren sind Ertragsbeschränkung durch restriktiven Anschnitt, zweifaches Ausdünnen, früh durchgeführte Negativauslese und extrem selektive Weinlese zumeist nicht vor Anfang November. Diese dauert oft acht bis zehn Wochen mit mehreren Lesevorgängen. Bei der Lese der edelfaulen Trauben sortieren die Erntehelfer diese bereits getrennt nach drei Fäulnisgraden. Im Keller wird das Lesegut nochmals Beere für Beere ausgelesen. Das Vorklären der Moste erfolgt durch natürliche Sedimentation. Die sechs- bis zwölfwöchige Gärung erfolgt temperaturkontrolliert in Edelstahltanks und im traditionellen Rheingauer Stückfass. Beim reduktiven Ausbau wird ein möglichst langer Kontakt mit der Feinhefe genutzt. Die Rotweine werden in Barrique ausgebaut. Die Vermarktung erfolgt in den zwei Linien Gutsweine, sowie der Grossen Gewächse Gräfenberg, Turmberg und Klosterberg. Traditionsgemäß zählen die edelsüßen Weine von Auslese bis Trockenbeerenauslese zu den Spitzenprodukten des Hauses. Sie werden mit einer Goldkapsel gekennzeichnet und auf Auktionen zu Höchstpreisen versteigert. Das Weingut ist Mitglied im VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter).
Der Jahrgang 2009 schließt nahtlos an das großartige Vorjahr an und bietet eine Palette an Weinen, wie man sie sich oft kaum mehr besser wünschen kann. An der Spitze steht ein Eiswein, der einem den Atem verschlägt und der nach einigen Jahren Reife womöglich sogar eine perfekte Note verdient. An dieses brillante Meisterwerk kommen selbst die hoch konzentrierten Trockenbeerenauslesen derzeit nicht heran. Doch auch der Rest des Sortiments steckt voller Glanzleistungen. Dabei fällt uns gerade bei den Basisweinen eine nochmalige Steigerung zum Vorjahr auf. Wir kündigten den Aufstieg im vorigen Jahr schon an und können nun zum fünften Stern nur gratulieren!
2008 ist hier eine überragende Serie süßer und edelsüßer Rieslinge entstanden, die dem legendären Ruf dieses Weinguts mehr als gerecht wird. Doch nicht nur die süßen Weine sind erstklassig, auch die trockenen Lagenweine überzeugen. Das Erste Gewächs könnte sich als bester trockener Riesling erweisen, der hier bislang entstanden ist. Seine Entwicklung allein in den zwei Monaten zwischen der ersten und der zweiten Verkostung könnte zudem darauf hindeuten, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Eine Weltklasse-Kollektion, die den fünften Stern in greifbare Nähe rücken lässt.
Eine sehr geschlossene Serie ohne Fehl und Tadel kommt dieses Jahr vom Weingut Weil. Wenn die Leistungen der Spitzenjahrgänge nicht immer erreicht werden, liegt das im Wesentlichen an kleinen jahrgangsbedingten Abstrichen an Substanz, Komplexität und Tiefe, die uns hier und da auffielen. Dennoch bereitet hier jeder einzelne Wein schon aufgrund seiner Reintönigkeit und Eleganz Trinkfreude, und bei einigem Exemplaren ist die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen. Auffällig ist auch, dass die trockenen Rieslinge hier in Zahl und Qualität immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Das Sortiment enthält eine ganze Reihe neuer Weine. Vor allem das Turmberg-Sortiment wurde ausgeweitet, aber auch der trockene Klosterberg kommt als Neuheit hinzu.
Mit den bisher vorgestellten Weinen zeigt das Weingut Weil eindrücklich, dass alles unternommen wurde, um den problematischen Bedingungen im Herbst 2006 zu trotzen. Dass dies gelungen ist, unterstreichen nicht zuletzt die trockenen Rieslinge, die wir so geschlossen auf sehr gutem Niveau hier in den letzten Jahren selten erlebten. Schon die Basisweine sind dieses Jahr wirklich gut. Selbstverständlich haben auch die Edelsüßen Klasse, wenn auch absolute Spitzen dieses Jahr kaum möglich waren. Insgesamt kann man nur gratulieren, denn derart hochklassige Kollektionen sind heuer sehr rar im Rheingau.
Der Jahrgang 2005 bot einem gewissenhaften Produzenten alle Möglichkeiten, was die Erzeugung rest- und edelsüßer Spitzenweine angeht. Gerade die heuer vorgestellte Serie von Wilhelm Weil und seinem Team macht dies deutlich. Nahezu alles, was hier dieses Jahr an Hochprädikaten entstanden ist, kann zum Besten gezählt werden, was es in der jeweiligen Klasse gibt. Allein die Versteigerungs-Beerenauslese hat uns etwas irritiert; hier sind wir mit unserer Prognose noch ein wenig unsicher. Dafür geriet die zur Versteigerung vorgesehene Auslese umso atemberaubender. Sie wird ebenso wie die grandiose Trockenbeerenauslese Jahre, vielleicht Jahrzehnte brauchen, um sich in Bestform zu präsentieren. Überhaupt sehen wir die meisten Edelsüßen noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Wir würden uns nicht wundern, wenn viele von ihnen in einigen Jahren noch höhere Wertungen verdienten.
Doch nicht nur in der Spitze verdient das Weingut Weil Aufmerksamkeit. Auch an der Basis sind die Qualitäten hier höchst zuverlässig und die trockenen Rieslinge scheinen kontinuierlich besser zu werden. Man kann hier inzwischen wieder blind kaufen. Kompliment!
2004 ist wieder ein erfolgreicher Jahrgang für das Weingut Robert Weil. Nicht nur die Gräfenberg-Linie, auch die einfacheren Rieslinge haben dieses Jahr häufig Klasse. Besonders die trockenen Rieslinge waren selten so gut. Glückwunsch - auch zum weiteren Aufstieg.
Mit dem nicht gerade einfachen Jahrgang 2003 meldet sich das Weingut Weil wieder zurück unter den absoluten Spitzenbetrieben im Rheingau. Neben zuverlässigen Basisweinen stehen sehr gute trockene Rieslinge, ein Erstes Gewächs, das diese Bezeichnung erstmals wahrhaftig verdient und eine Reihe restsüßer Rieslinge, die an die besten Zeiten des Gutes erinnern und die meisten Leistungen der Vergangenheit noch übertreffen. Die meisten dieser Weine präsentierten sich zu Zeitpunkt der Verkostung noch in ihrer besten Form, doch mehrere Verkostungen des kompletten Sortiments - zum Teil im Betrieb selbst, zu Teil bei anderen Präsentationen - legen die Vermutung nahe, dass viele von ihnen mit etwas Reife noch zulegen können. Ein ganz eigenes Kapitel stellen in diesem Jahr die edelsüßen Spitzenweine dar. War das Weingut seit jeher eine Quelle für absolute Spitzenleistungen auf diesem Gebiet, haben sich Wilhelm Weil und sein Team dieses Jahr selbst übertroffen. Jeder einzelne der edelsüßen Spitzenrieslinge ist ein Meisterwerk für sich, doch die beiden Goldkapsel-Trockenbeerenauslesen übertreffen tatsächlich alles, was mir in dieser Form bislang begegnet ist. Großes Kompliment!
Der Jahrgang 2002 ist bei Weil recht schwankend ausgefallen. Die süßen Rieslinge gehören auch dieses Jahr wieder zur Spitze, nicht nur im Rheingau, doch besonders die trockenen Prädikatsweine sind offenbar sehr einfach geraten. Da gefallen mir die einfachen, aber ehrlichen Qualitätsweine besser und auch das Erste Gewächs ist gut, wenn auch den Ansprüchen nur bedingt genügend.
2001 war zweifellos ein erfolgreiches Jahr für das Weingut Weil. Nicht nur die lange Serie erstklassiger süßer edelsüßer Rieslinge beeindruckt, auch die Trockenen sind bis hinunter zum einfachen Literwein empfehlenswert.
2000 war einer der schwierigsten Jahrgänge in der Laufbahn von Wilhelm Weil. Nicht zuletzt deshalb wurden zur Blindverkostung nur die einfacheren Weine angestellt, die noch den besseren, weil reintönigeren Teil des Sortiments darstellen. Die Weine verfügen durchweg über eine sehr klare, wenn auch schlanke Frucht und oft sehr lebendige Säure. Wirklich schön zu trinken sind vor allem der Kabinett und die feinmineralische trockene Spätlese.
Leider erfüllten nicht alle bislang angestellten Weine des aktuellen Jahrgangs meine Erwartungen. Besonders dem am 25 Januar gelesene Eiswein fehlt es an Feinheit und Rasse. Wie auch die Gräfenberg Spätlese weist er zudem einen leichten Champignongeschmack auf, der den Genuss schmälert. Der recht schöne Kabinett aus dem Gräfenberg könnte dagegen mit etwas Reife noch einen, oder zwei Punkte zulegen. Hervorragend, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der Vorjahre, präsentierte sich als einzige die Goldkapsel-Auslese.
In den letzten Jahren geriet Wilhelm Weil aufgrund der Qualität seiner trockenen Rieslinge immer wieder in die Kritik von Fachpresse und Verbrauchern Um so erfreulicher ist das Abschneiden der ausgezeichneten trockenen Kiedricher Gräfenberg Spätlese, die ebenfalls erst im nächsten Winter alle ihre Qualitäten offenbaren wird.
Das Ergebnis der diesjährigen Verkostung betrübt mich ein wenig. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich auch bei einem der engagiertesten Weinproduzenten die Routine einschleicht und die Qualität der Produkte langsam, aber merklich beeinträchtigt. Ich bin jedoch sicher, dass Wilhelm Weil genügend Selbstkritik besitzt, um derartige Abweichungen vom Weg sofort zu erkennen und umgehend zu korrigieren.
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