Bewertungsschema:
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80-84: Sehr gut
85-89: Ausgezeichnet
90-94: Hervorragend
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Inhaber: Familie Wegeler- Drieseberg Verwalter: Michael Burgdorf, Betriebsleiter Geschäftsfuehrer: Dr. Tom Drieseberg Kellermeister: Andreas Holderrieth
Bewirtschaftete Anbaufläche: 45.00 ha
Dr. Tom Drieseberg
Besucherinformation:
Besuch nach individueller Vereinbarung.
Die Geburtstunde des Familienweingutes schlug sozusagen im Jahre 1857, als Julius Wegeler (1836-1913) in das Wein- und Sekthaus Deinhard in Koblenz einstieg. Wegeler bekam den speziellen Auftrag, das Exportgeschäft in England, Belgien und den Niederlanden zu vertreten und zu erweitern. Er war dabei sehr erfolgreich, der Absatz florierte und das Geschäft mit dem britischen Empire vergrößert sich ständig. Der inzwischen mit der Deinhard-Tochter Emma verheiratete Julius Wegeler wurde im Jahre 1864 in die Geschäftsleitung berufen, übernahm das Stammhaus in Koblenz und wurde am Unternehmen beteiligt. Die Firma wurde nun in Deinhard & Co umbenannt. Nach dem frühen Tode von August Deinhard übernahm Wegeler gemeinsam mit seinem Bruder Karl und seinem späteren Schwager Johann Jacob Hasslacher die Leitung des Unternehmens. Im Jahre 1876 wurde Wegeler Präsidiums-Mitglied im Deutschen Weinbauverein, dessen erster Präsident er von 1893 bis 1905 auch war. Im Jahre 1893 wurde Julius Wegeler zum Geheimrat ernannt. In seiner Wirkenszeit wurden die zwei berühmten Sektmarken „Deinhard Cabinet“ und „Deinhard Lila“ kereiert, die noch heute produziert werden.
Im Jahre 1882 stieg er durch Kauf eines Weingutes in Rüdesheim im heutigen Anbaugebiet Rheingau in den Weinbau ein. Er prägte den auch heute noch gültigen Wahlspruch: „Qualität ist unsere Philosophie“. Das damals ebenfalls erworbene Herrenhaus ist der Verwaltungssitz. Die Firma Deinhard wurde bis zum Jahre 1997 von Rolf Wegeler und seinem Vetter Hanns Christof Wegeler geführt. In diesem Jahr wurde der Handelshaus- und Sektproduktonsteil des Unternehmens an die Firma Henkell verkauft, die drei Weingüter mit insgesamt 80 Hektar Rebflächen verblieben jedoch in Besitz der Familie. Diese werden seit dem Jahre 1998 vom Ehepaar Anja Wegeler-Drieseberg und Dr. Tom Drieseberg geführt.
Rolf Wegeler pachtete im Jahre 1973 Rebflächen vom Weingut Dr. Deinhard in Deidesheim (Pfalz). Damit wurde als drittes Weingut das Gutshaus Deidesheim begründet. Dieses Engagement wurde jedoch nach der Ernte 2006 beendet. Die nunmehr zwei verbleibenden Betriebe Gutshaus Oestrich und Gutshaus Bernkastel arbeiten bezüglich Weingarten-Bewirtschaftung und Kellerei inklusive Flaschenabfüllung vollkommen eigenständig und unabhängig, aber unter einer gemeinsamen Qualitätsphilosophie. Beide sind Mitglieder im VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter). Die Verwaltung und der Vertrieb der Weine erfolgt über das Gutshaus Oestrich. So wie schon bei der Gründung Ende des 19. Jahrhunderts wird in beiden Gutshäusern ausschließlich auf die Sorte Riesling gesetzt.
Gutshaus Bernkastel wurde im Jahre 1900 durch Ankauf eines Teiles der berühmten Lage Bernkasteler Doctor im heutigen Anbaugebiet Mosel begründet. Für einen Rebstock mussten damals sagenhafte 100 Goldmark bezahlt werden. Im Bernkasteler Ortsteil Kues wurde im Jahre 1903 ein Gutshof nach dem Gravitationsprinzip errichtet. Die zum Teil terrassierten Rebflächen umfassen 15 Hektar in vorwiegend Mosel-Steillagen. Dies sind Bratenhöfchen, Doctor, Graben und Lay (Bernkastel), Himmelreich (Graach), sowie Sonnenuhr (Wehlen). Die Premiumweine sind Bernkasteler Doctor und Wehlener Sonnenuhr.
Die kleine Kollektion ist harmonisch ausgefallen und es scheint, als hätte das Weingut Wegeler im Rheingau die schwierigen Jahrgangsbedingungen gut gemeistert. Die besten Weine stammen heuer aus dem Rüdesheimer Berg, während aus der Hauslage Rothenberg leider keine Rieslinge vorgestellt wurden. Ein zweiter Stern erscheint uns hier dennoch angebracht. Herzlichen Glückwunsch!
Besonders die beiden Edelsüßen und das Erste Gewächs aus dem Berg Schlossberg zeigen, dass man es hier durchaus versteht hochkarätige Weine zu produzieren. Dem gegenüber stehen leider immer wieder Weine, die schon recht reif wirken und nicht häufig störten Schwefelnoten das Bild. Vielleicht wäre hier etwas weniger Sicherheitsdenken mehr. Wir würden es dem Weingut wünschen, mal wieder eine Kollektion vorstellen zu können, die dem großen Namen auch in der Breite zur Ehre gereichen würde.
Das Sortiment kann sich sehen lassen in diesem Jahr. Auch wenn der jahrgangsbedingte Gerbstoff immer wieder zu spüren ist, verfügen die Weine zumeist über Schliff und Eigenständigkeit. Unser persönlicher Favorit ist der feinherbe Kabinett - einer der besten seiner Art in diesem Jahr. Willkommen in den Sterne-Rängen!
Auch wenn ich mir bei manchen Weinen etwas mehr Reife und Substanz wünschen würde, ist das Sortiment hier in 2002 überwiegend recht ansprechend ausgefallen. Der "Geheimrat J" ist zuverlässig wie eh und je und die exzellente Auslese hat durchaus noch Potenzial für eine weitere Steigerung mit etwas Flaschenreife.
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