Das „Rotweingut Jean Stodden” liegt in der Gemeinde Rech im deutschen Anbaugebiet Ahr. Die traditionsreiche Familie baute im Ahrtal bereits seit dem Jahre 1578 Weintrauben an. Im Jahre 1900 begann Alois Stodden seine Spätburgunder selbst zu keltern. Heute wird das Gut von Gerhard Stodden geführt, der als einer der besten Rotwein-Produzenten in Deutschland gilt. Die Verantwortung für die Rebanlage im Neuenahrer Sonnenberg hat Stoddens ältester Sohn Alexander übernommen. Der Spätburgunder „Next Generation” erregte bereits mit dem ersten Jahrgang 2001 für Aufsehen. Die Weingärten umfassen 6,5 Hektar Rebfläche in den Einzellagen Rosenthal (Ahrweiler), Burggarten und Hardtberg (Dernau), Sonnenberg (Neuenahr), Mönchberg (Mayschoß), sowie Blume, Hardtberg und Herrenberg (Rech). Sie sind zu 85% mit Spätburgunder, der Rest mit Riesling, Frühburgunder, Dornfelder und Dunkelfelder bestockt. Die Rotweine werden zumindest 16 Monate in neuen Barriques und zum Teil großen Holzfässern ausgebaut. Es werden auch Sekte (Spätburgunder, Riesling) und Edelbrände (Hefe, Trester) produziert. Das Weingut ist seit dem Jahre 2005 Mitglied beim VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter).
Heuer konnten wir hier leider nur die Großen Gewächse probieren. Das ist schon insofern schade, als sich der Jahrgang zumindest bei den Spitzenweinen des Gutes hervorragend präsentiert. Die Spätburgunder wirken konzentrierter, tiefer und fester als in den letzten Jahren, wenn auch ziemlich alkoholstark. Herkunftscharakter und Mineralität sind ausgeprägt und das Holz scheint den Weinen erheblich weniger anhaben zu können, als es in der näheren Vergangenheit oft der Fall war. Lediglich der Herrenberg ächzt derzeit noch merklich unter der Holzlast, aber auch er ist kraftvoll und komplex und könnte sich durchaus noch steigern
Die Entwicklung der letzten Jahre setzt sich auch 2006 fort. Bei vielen Weinen befürchten wir auch heuer ein Austrocknen durch das trocknende Holztannin. Gleichwohl gibt es im diesjährigen Sortiment auch einige Spätburgunder, denen wir eine positive Entwicklung zutrauen und es kann durchaus sein, dass wir mit unseren Prognosen zu vorsichtig sind. Dennoch betrachten wir den Trend nach wie vor mit Sorge. Wir kennen auch in Burgund keinen Fall, in dem sich holztrockene Weine - selbst von Spitzenerzeugern - mit der reife wirklich harmonisieren; das Holz ist den Weinen auch auf die Langstrecke immer leicht im Weg.
Die umfangreiche Kollektion besteht ausschließlich aus sehr guten und ausgezeichneten Weinen und damit wären sicherlich auch fast alle Erzeuger zufrieden. Vater und Sohn Stodden werden es sicher nicht sein und auch wir sind es nicht wirklich. Wie schon im vorangegangenen Jahr merkt man den Weinen zwar das hochklassige Grundmaterial deutlich an, doch behindert das viele Holz dessen volle Entfaltung. Sicher ist dies auch ein bisschen Jammern auf hohem Niveau, doch von den Glanztaten früherer Jahre entfernt man sich so immer mehr. Gern würden wir die 2004er und auch die 2005er bei Gelegenheit mit etwas Reife noch einmal vekosten, um zu prüfen, ob sich die Tannine wirklich einbinden oder den Wein bei der Lagerung eher austrocknen, was wir ernsthaft befürchten, da uns die Weine schon heute oft ein wenig spröde erscheinen.
Selbst Meister wie Gerhard und Alexander Stodden konnten in 2004 keine Wunder wirken. So verfügen die Weine nicht ganz über die Substanz der besten Jahre, sie sind härter in der Struktur und das Holz tritt deutlicher hervor als sonst üblich. Die besten von ihnen sind dennoch komplex und relativ dicht gewirkt. Sie sollten sich über einige Zeit gut entwickeln.
Mit dem Jahrgang 2003 zeigen Gerhard und Alexander Stodden, dass sie nicht gewillt sind, sich mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Nicht zum ersten mal präsentieren sie in der Spitze eine Reihe von Spätburgundern, wie sie bis dato in Deutschland noch nie vorgekommen sind. Sie beweisen eindrucksvoll, dass auch an der Ahr Weine von absoluter Weltklasse entstehen können. Dabei bleibt ihr Stil zwar unverwechselbar, aber auch ganz ihrer Herkunft verpflichtet. Den meisten Weinen ist eine weitere Steigerung durchaus noch zuzutrauen und die besten Spätburgunder werden viele Jahre brauchen, um ihre optimale Trinkreife zu erreichen. Bei all den Superlativen vergisst man oft die einfacheren Tropfen: auch sie sind durchweg gelungen und zeigen mitunter ebenfalls echte Klasse. Großes Kompliment.
Mit dem Jahrgang 2002 zeigen Gerhard und Alexander Stodden eindrücklich, dass der Aufstieg im letzten Jahr keinesfalls verfrüht kam. Selten konnte man hier eine so komplette Serie probieren. Selbst die Weißweine, bislang hin und wieder Gegenstand leiser Kritik, sind inzwischen über jeden Zweifel erhaben. An der Spitze werden hier Rotweine internationaler Klasse produziert, denen sich in diesem Jahr die gesamte Konkurrenz an der Ahr - wenn auch knapp - geschlagen geben muss. Großes Kompliment!
Nicht nur Gerhard Stodden war 2001 überaus erfolgreich. Auch Sohn Alexander hat mit seinem ersten eigenen Wein bewiesen, dass er seinem Vater in Sachen Talent in nichts nachsteht. So ist der "Next Generation" derzeit der beeindruckendste Wein des Sortiments. Naturgemäß brauchen die Rotweine hier einige Zeit in der Flasche, um alle ihre Vorzüge preiszugeben. Mit der Weißweincuvée hat man inzwischen auch einen standesgemäßen Weißwein im Programm. So ist es eigentlich nur noch die Riesling Auslese, die den Ansprüchen noch nicht ganz gerecht wird. Dennoch gibt es den 4. Stern.
Vom 2000er Jahrgang wurden erstmals auch zwei Riesling-Auslesen angestellt, von denen mir die edelsüße Version deutlich besser gefällt. Doch auch sie lässt ein wenig Rasse und Komplexität vermissen. Die Spätburgunder zeigen ein solides bis erstklassiges Niveau, erreichen jedoch vor allem in der Spitze nicht ganz das Vorjahr. Dennoch eine höchst respektable Leistung, die den in den letzten Jahren erreichten Status klar bestätigt.
Gerhard Stoddens 99er Rotweinserie verschlägt einem schier die Sprache. Sechs der neun vorgestellten Weine zählen zu den feinsten Vertretern ihrer Art in Deutschland und mindestens zwei davon werden, wenn sie ihre volle Reife erlangt haben, deutsche Rotweingeschichte schreiben. Dabei wirken die meisten Exemplare in den ersten zwei Stunden nach dem Öffnen vollkommen verschlossen, bitter und unzugänglich. Einige offenbaren erst nach Tagen ihren ganzen Reichtum an "süßer", betörender Frucht. Es würde mich nicht wundern, wenn ein Teil der Weine in zwei bis vier Jahren noch einmal deutlich höher notierte. Ich freue mich schon auf die bestürzten Gesichter internationaler Fachjurys, die Stoddens trockene Auslesen bei hochkarätigen Blindverkostungen auf vorderste Plätze setzen und hinterher erfahren, woher diese Weine stammen. Aber das glaubt einem ja kein Mensch.
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