Das Weingut liegt in der Gemeinde Hochheim im deutschen Anbaugebiet Rheingau. Weinbau betrieb die sudetendeutsche Familie bereits seit dem Jahre 1648 im südmährischen Untertannovitz, ehe sie nach dem Krieg im Jahre 1945 nach Hochheim auswanderte. Franz Künstler leitete 15 Jahre lang andere Weingüter in Hochheim, bevor er sich schließlich im Jahre 1965 selbständig machte. Seit 1988 wird der Betrieb von seinem Sohn Gunter geführt. Im Jahre 1996 wurde das Weingut Geheimrat Aschrott mit 12 Hektar Rebfläche erworben. Die Weinberge umfassen 37 Hektar Rebfläche in den Hochheimer Einzellagen Domdechaney, Herrnberg, Hölle, Kirchenstück, Reichestal, Stein und Stielweg, sowie Weiß Erd (Kostheim). Sie sind hauptsächlich mit dem Riesling (29 ha), sowie Spätburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc bestockt. Es erfolgt eine naturnahe Bewirtschaftung mit zum Beispiel Begrünung und Verzicht auf Herbizide. Nach schonender Kelterung werden die Moste für die Weißweine je nach Lage im Holzfass oder Edelstahlgebinde kühl und langsam vergoren. Die Rieslinge aus den Spitzenlagen werden auch in Großformatflaschen bis 18 Liter Volumen abgefüllt. Die Rotweine reifen nach der Maischegärung ein Jahr in großen und kleinen Holzfässern und werden nach einem weiteren Jahr Flaschenlagerung vermarktet. Es werden auch flaschenvergorene Sekte produziert. Das Weingut ist Mitglied beim VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter), sowie bei Gens de Metier.
Der Jahrgang 2009 machte es uns Verkostern hier nicht immer ganz einfach. Besonders die Spitzenweine brauchten oft mehrere Tage um wenigstens anzudeuten, was wirklich in ihnen steckt. Den Ersten Gewächsen trauen wir allesamt eine weitere Steigerung zu. Vor allem der "Sommerheil" scheint noch über gewaltiges Potenzial zu verfügen. Nicht ganz so überzeugt sind wir heuer von den Basisweinen, aber auch der Riesling aus der Domdechaney bleibt leicht unter seinen Möglichkeiten. Den Silvaner haben wir erst unterschätzt: er zeigte erst nach 2 Tagen an der Luft, was er wirklich kann.
Wieder eine sehr geschlossene Serie erstklassiger trockener Rieslinge von Gunter Künstler und Kellermeister Rolf Schregel. Die Ersten Gewächse dürften sogar die besten sein, die hier bislang produziert wurden - und wir sind noch nicht einmal sicher, ob sie mit der Flaschenreife nicht noch zulegen können. Völlig verschlossen gab sich die trockene Goldkapsel, die wohl erst in einigen Jahren zeigen wird, was sie wirklich kann. Im Gegensatz zum Vorjahr überzeugen auch die süßen Rieslinge heuer wieder auf ganzer Linie.
Die trockenen Rieslinge sind heuer wieder durchweg erstklassig, wenngleich viele von ihnen zum Zeitpunkt der Verkostung noch längst nicht auf der Höhe waren. So rechnen wir bei einigen Weinen noch mit einer deutlichen Steigerung in den nächsten Monaten oder Jahren. Vor allem die Goldkapsel aus der Hölle hat noch Reserven: sie steigerte über Tage in der geöffneten Flasche. Wieder ist diese Goldkapsel ein Kandidat für den trockenen Riesling des Jahres im Land. Vergessen wir darüber den Sauvignon Blanc nicht, der bei seiner Premiere eine recht überzeugende Figur macht. Nicht ganz so glücklich sind wir mit den sehr sauber gemachten, aber nicht ganz reif wirkenden restsüßen Weinen.
Rheingau
Riesling, Schaumwein, Deutscher Sekt, Brut, 12.50 €
Leider können die 2006er nicht mit den herausragenden Kollektionen der letzten Jahre mithalten. Zu schwierig scheinen die Bedingungen in den hochheimer Lagen gewesen zu sein, um schon im Basis- und Mittelsegment überdurchschnittliches zu produzieren. In der Spitze allerdings lassen die Weine auch heuer kaum Wünsche übrig.
Mit 2005 präsentiert Gunther Künstler einen Jahrgang, der in der Breite zwar nicht ganz so stark ist wie die vorangegangenen Jahre, aber dennoch zu den besten der Region gehört. Vor allem die beiden Ersten Gewächse, die auch preislich sehr attraktiv sind, glänzen mit Komplexität und Tiefe. Allen voran steht wieder die fulminante Goldkapsel aus der Hölle, die mit ihrer ungemein dichten, kraftvollen und immens mineralischen Art wiederum zu den besten trockenen Weißweinen des Jahrganges zählt. Dabei gilt für die Spitzenweine wie für die einfacheren Qualitäten, die hier stets überdurchschnittlich ausfallen, dass sie sich mit etwas Reife durchaus noch steigern können.
2004 schließt hier nahtlos an die überragenden Leistungen der letzten beiden Jahre an. Schon die Basisweine sind hier von exzellenter Qualität und beeindrucken mit glasklarer Frucht, Dichte und Struktur, wie sie viele Kollegen im Rheingau in ihren Spitzenweinen selten zu bieten haben. Die Serie der trockenen Spitzen ist wieder durch die Bank großartig. Gunter Künstler macht alleine beinahe ebensoviele erstklassige trockene Rieslinge als man bislang im ganzen Rheingau jährlich unter dem Begriff "Erstes Gewächs" produzierte. An der Spitze des Sortiments steht wieder ein atemberaubendes Meisterwerk aus der Hölle, dessen Tiefe und Länge in der Lage sind, auch einen Tisch mit erfahrenen Verkostern und eingefleischten Liebhabern großer trockener Rieslinge zum verstummen zu bringen. Mit seinem fünften Stern ist Künstler nun auch nominell wieder zurück in der kleinen Gruppe der Weltklasseproduzenten im Land.
Nur sehr wenigen Produzenten ist es in 2003 gelungen, ein so durchgängig erstklassiges Sortiment abzuliefern. Dabei beweist Gunter Künstler erstmals auch mit den edelsüßen Rieslingen Weltklasse. Die Trockenbeerenauslesen aus Domdechaney und Hölle gehören zweifellos zu den größten Dessertweinen überhaupt. Sie werden glücklichen Erben auch im nächsten Jahrhundert noch unvergessliche Erlebnisse bereiten. Bei den trockenen Rieslingen schließt Künstler durch die Bank an seine besten Jahrgänge aus den 90er Jahren an. Angeführt wird das Sortiment erneut von einer überragenden trockenen Goldkapsel-Auslese aus der Hölle, doch bereits die Qualitätsweine und Kabinette setzen Maßstäbe. Eine nahezu vollkommene Kollektion, wie sie weltweit in dieser Qualitätsdichte nur Wenige zustande bringen.
Einer der größten trockenen Weißweine überhaupt krönt dieses beeindruckende Sortiment, mit dem Gunter Künstler wieder seinen Platz unter den führenden Weinproduzenten der Welt einfordert. Wie schon in den neunziger Jahren beeindrucken die Weine durch die Bank mit großer Kraft, tiefer mineralischer Struktur und vollkommen reintöniger Frucht. Auch die einfachen Weine besitzen Charakter und Tiefe. Kamen die die großen trockenen Auslesen der Jahre 92, 93, 98 und 99 der Vollkommenheit schon verdächtig nahe, hat Künstler es mit seiner 2002er Goldkapsel endgültig geschafft. Jetzt kann er sich - wenn überhaupt - nur noch selbst übertreffen. Über nichts habe ich mich in diesem Jahr so gefreut, wie über diesen Beweis Gunter Künstlers, dass er auch weiterhin nicht daran denkt, sich unterkriegen zu lassen.
Nach den problematischen 2000ern zeigt sich der aktuelle Jahrgang wieder auf ausgezeichnetem Niveau. Wenn auch 2001 nicht zu den wirklich großen Jahren unter der Regie von Gunter Künstler gehört, zählen die Weine mit ihrer klaren Frucht und der festen mineralischen Struktur dennoch zu den herausragenden Rheingauern in 2001. Auch die einfachsten Weine können wieder überzeugen. Kompliment!
Nach einer grandiosen 99er Vorstellung ist der 2000er Jahrgang ein herber Rückschlag für Gunter Künstler. Es war ihm schlicht unmöglich, Weine aus gesundem Traubengut auf die Flasche zu bringen. Das Resultat sind zwar ausgewogene, aber größtenteils etwas matte und botrytisgeprägte Weine. Es besteht jedoch kaum Anlass zur Sorge: Gunter Künstler wäre der letzte, der diese Scharte nicht im nächsten Jahrgang wieder auswetzen würde.
Wie meistens in den letzten 10 Jahren, wird man auch 1999 kaum irgendwo in Deutschland dichtere, konzentriertere, komplexere und mehr vom Terroir geprägte Weine finden, als auf dem Weingut Franz Künstler.
Dabei sind diese Weine nicht immer einfach zu verstehen. Wer das erste Mal mit ihnen konfrontiert wird, ist entweder vollkommen überwältigt, oder schüttelt nur den Kopf über das Brimborium, das man um sie macht. Doch selbst die größten Skeptiker werden sich auf Dauer kaum der magischen Präsenz dieser tiefgründigen und in höchstem Maße anspruchsvollen Rieslinge entziehen können, besonders, wenn diese nach einigen Jahren Reife in all ihren Facetten erstrahlen.
Bereits der trockene und der halbtrockene Gutswein besitzen Dimensionen, die andere namhafte Produzenten nur in ihren Spitzenweinen erreichen. Dennoch sind es die großen trockenen Riesling Spät- und Auslesen, denen das Gut seinen Ruf verdankt.
Die Weine aus der Lage Hochheimer Stielweg - westlich und unterhalb der berühmten Domdechaney - sind hierbei stets die zugänglichsten und fruchtigsten Exemplare, obgleich auch sie über eine enorme Substanz und intensive Mineralik verfügen, die ihnen Ernsthaftigkeit und großes Entwicklungspotenzial verleihen. Die 99er Rieslinge aus dieser Lage besitzen eine Strahlkraft und Rasse, die einem spontan die Sinne betören.
Man kann wunderbar darüber streiten, ob nun das Kirchenstück, oder die Hölle die bessere der Hochheimer Lagen ist. Beide bringen Rieslinge von Weltklasse hervor, die sich jedoch deutlich im Charakter unterscheiden. Während die Weine aus dem Kirchenstück bei aller Kraft eine finessenreiche, fast verspielte Persönlichkeit an den Tag legen, beeindrucken jene aus der Hölle vor allem durch urwüchsige Kraft und Fülle, ohne jemals überladen oder breit zu wirken.
Die trockenen 99er Spätlese aus Stielweg und Hölle, vor allem aber die drei trockenen Auslesen gehören ohne Zweifel zu den größten trockenen Rieslingen, die - nicht nur in Deutschland - je entstanden sind. Kaum mehr als ein Dutzend Produzenten ist wohl weltweit in der Lage, regelmäßig Weißweine auf diesem Niveau zu erzeugen!
Gunter Künstlers große trockene Weine lassen einen oft die ebenfalls hervorragenden Rieslinge mit natürlicher Restsüße übersehen. Vom halbtrockenen Gutswein bis zur Auslese sind diese Gewächse kaum weniger beeindruckend, als ihre trockenen Pendants. Nach einigen Jahren Flaschenreife kann man sich kaum schönere Weine zu Wildgerichten, oder zum abendlichen Genuss am Kamin vorstellen.
Obwohl auch die edelsüßen Spezialitäten hier zumeist erstklassig sind, hat mich die Beerenauslese aus der Hölle dieses Jahr nicht völlig überzeugt, da ihr, wie mir scheint, ein wenig die sonst übliche Rasse, Feinheit und Reintönigkeit abgeht. Ich werde den Wein aber dennoch im Auge behalten.
Besonderen Ehrgeiz verwendet Gunter Künstler auch auf seine Spätburgunder-Rotweine. Sie sind fast ebenso dicht und konzentriert, wie die trockenen Weißweine, verfügen aber noch nicht über deren Ausdruck und Klarheit. Dennoch gefielen mir die 99er aus der Lage Hochheimer Reichestal kurz nach der Abfüllung auf dem Gut besser, als die Vorjahrgänge. Inzwischen hat sich die Frucht jedoch etwas zurückgezogen und das Eichenholz das Regiment übernommen, dessen Aromen ein wenig die klaren Konturen der Pinot-Frucht verwischen. Ich bin gespannt, ob sich die Frucht in einigen Jahren wieder durchsetzt, denn dann könnten sowohl die Spät-, als auch die Auslese eine noch etwas höhere Benotung verdienen.
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