Bewertungsschema:
75-79: Ordentlich bis gut
80-84: Sehr gut
85-89: Ausgezeichnet
90-94: Hervorragend
95-99: Groß
100: Einzigartig
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Verkostungstelegramm
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Inhaber: Jens Reidel Verwalter: Oliver Müller Geschäftsfuehrer: Oliver Müller Kellermeister: Karsten Peter (techn. Betriebsleiter)
Bewirtschaftete Anbaufläche: 30.50 ha
Besucherinformation:
Weinverkostung und Verkauf in der Vinothek der "Alten Kelterhalle" werktags 9.00 - 18.00 Uhr
Samstags 10.00 - 16.00 Uhr.
Stilvolles Gästehaus mit 6 Zimmern(Ü/F) (geöffnet vom 01.03. - 30.11.2008)
Das Weingut liegt in der Gemeinde Niederhausen im deutschen Anbaugebiet Nahe. Es wurde im Jahre 1904 vom preußischen Staat als „Königlich Preußische Weinbaudomäne“ gegründet. Der Betrieb wurde als klassische Weinbaudomäne mit dem Ziel eines Lehr- und Mustergutes geführt, um die Wiederbelebung und Entwicklung des durch die Reblaus-Katastrophe darniederliegenden Weinbaus und der Kellerwirtschaft voranzutreiben. Das Gelände beinhaltete eine ehemalige Kupferschürfung-Stelle, das ist heute die berühmte Einzellage Kupfergrube in Schloßböckelheim. Um die Weinberge zu arrondieren, wurden zunächst 300.000 Kubikmeter Erde bewegt, die erste Weinlese konnte erst im Jahre 1907 erfolgen. Im Jahre 1946 ging die Staatsdomäne in den Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und unter „Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim“ betrieben. Im Jahre wurde das Gut im Jahre 1998 an die Familie Erich Maurer verkauft und schließlich 2009 vom Unternehmer Jens Reidel erworben und firmiert unter dem heutigen Namen.
Die Weinberge umfassen 30 Hektar Rebfläche in den Einzellagen Bastei (Traisen), Felsenberg und Kupfergrube (Schloßböckelheim), Hermannsberg, Hermannshöhle, Kertz und Steinberg (Niederhausen), sowie Rotenberg (Altenbamberg). Sie sind hauptsächlich mit Riesling (27 ha), sowie Weißburgunder, Spätburgunder, Müller-Thurgau und Grauburgunder bestockt. Die Weine werden in den drei Linien Gutsweine, Ortsweine und Grosses Gewächs vermarktet. Das Weingut ist Mitglied im VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter).
2009 bestätigt dieser ehrwürdige Betrieb unter seinem neuen Namen Gut Hermannsberg den positiven Trend der letzten Zeit auf beeindruckende Weise. Das liegt vor allem an trockenen Rieslingen, die hier inzwischen oft wieder eine Klasse erreichen, die dem hochkarätigen Lagenpotenzial mehr als gerecht werden. Hier wird es Zeit für einen Aufstieg!
Mit dem Jahrgang 2008 macht die Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim wieder einen deutlichen Sprung nach vorne. Lange waren die Weine hier nicht mehr so gut. Besonders die Serie der Großen Gewächse hat uns beeindruckt, aber auch die nominell einfacheren Weine sind fast durchweg empfehlenswert. So kann es gerne weiter gehen!
Eine relativ gleichmäßige Serie in der bemerkenswerterweise die günstigeren Weine oft besonders positiv auffallen. Die nominellen Spitzen sind zumeist recht schlank geraten und manchmal auch ein wenig phenolisch-bitter. Immerhin zeigen die meisten Rieslinge klar ihre Herkunft und manchen von ihnen trauen wir eine weitere positive Entwicklung über die nächsten Monate durchaus zu.
Das umfangreiche Sortiment aus 2006 ist, wenn man den Jahrgang in Betracht zieht, gut gelungen, was besonders für die rest- und edelsüßen Weine - allen voran die cremige und mineralische TBA aus der Kupfergrube - gilt. Doch auch bei den trockenen und halbtrockenen Weinen findet sich sehr Gutes, vereinzelt auch Ausgezeichnetes. Es scheint, als bekämen Erich Maurer und sein Team dieses große und traditionsreiche Gut immer besser in den Griff und es würde uns nicht wundern, wenn sich dies zukünftig auch in einer besseren Klassifizierung wiederspiegeln würde.
Die vorgestellte Serie ist dieses Mal etwas kleiner ausgefallen als in den Vorjahren, überzeugt aber mit grundsoliden, zumeist sehr guten Qualitäten. Die Rieslinge sind über jeden Zweifel erhaben, aber noch besser gefielen uns dieses Jahr die Burgundersorten. Was Grau- und Weißburgunder auch im Verhältnis zu ihrem günstigen Preis bieten, ist schon bemerkenswert.
Die Serie ist überwiegend gut gelungen, enthält aber auch einzelne schwache, weil bittere und substanzarme Weine. Leider befindet sich darunter auch das Große Gewächs aus dem Herrmannsberg, das wie alle trockenen und halbtrockenen Weine aus dieser Lage in 2004 enttäuscht. Die süßen Weine hingegen überzeugen. Kontrollproben im Herbst zeigen, dass sich die Weine häufig schnell entwickeln; bis auf die Edelsüßen dürften sie jung am besten schmecken.
2003 ist sicher der erfolgreichste Jahrgang seit der Privatisierung des Betriebes. Selten waren die Weine hier so komplex und brachten die Eigenheiten ihrer Lagen so deutlich zum Ausdruck, wie in diesem Jahr. Besonders die Rieslinge aus Hermannshöhle und Kupfergrube zeigen echte Klasse. Kompliment. Wenn der Trend anhält ist nächstes Jahr ein Aufstig möglich.
Der Jahrgang 2001 hinterlässt hier einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Qualitätsweine sind diesmal häufig sehr einfach geraten und auch die Kabinette kommen großenteils nicht an die Pendants aus den beiden Vorjahren heran. Spät- und Auslesen überzeugen dagegen auf ganzer Linie. Angeführt wird das Sortiment von einer beeindruckenden süßen Auslese aus der Hermannshöhle, die mit etwas Reife möglicherweise sogar noch ein wenig zulegen könnte. Die edelsüßen Spitzenprädikate sind zwar ebenfalls sorgfältig bereitet, können jedoch nicht ganz mithalten. Besonders für Eisweine scheint 2001 hier nicht das ideale Jahr gewesen zu sein. Zu brav und besonders im Falle des Versteigerungsweins fast etwas oberflächlich sind die Ergebnisse.
Auch mit dem 2000er Jahrgang setzt die ehemalige Staatsdomäne ihren Erfolgskurs fort. Zwar erreichen einige Weine nicht ganz das Vorjahresniveau, doch ist der größte Teil des Sortiments wieder sehr gut gelungen und bereitet großes Trinkvergnügen. Neben zwei wirklich guten trockenen Kabinetten fallen vor Allem die Restsüßen Rieslinge auf, an deren Spitze eine fest gewirkte Auslese steht.
Es ist schon erstaunlich, wie schnell es Erich Maurer gelingt, dieses legendäre Gut wieder auf Vordermann zu bringen. Auch Verwalter und Kellermeister Kurt Gabelmann, der noch zu Staatsdomänen-Zeiten 1994 eingestellt wurde, scheint unter dem jetzigen Besitzer zu neuer Form aufzulaufen. In dem nicht gerade einfachen Jahrgang 1999 ist ein Wein besser als der andere. Dabei verbinden die besten Exemplare eine wunderbare Eleganz mit einem fein eingewobenen Terroirgeschmack, wie man ihn hier in den letzten 10 Jahren nurmehr sehr selten antreffen konnte. Der noch vor kurzem so behäbige Dampfer hat offensichtlich Fahrt aufgenommen und der Kurs ist genau der Richtige!
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