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Weltberühmtes Weingut mit Hauptsitz im gleichnamigen Schloss am berühmten Johannisberg im Rheingau. Am Johannisberg ließ angeblich bereits Karl der Große(742-814) erstmals einen Weinberg anlegen. Zwischen 1096 und 1100 erbauten Benediktiner-Mönche aus Mainz auf dem Plateau des Bischofsbergs oberhalb des Ortes Johannisberg ein Kloster und betrieben auch Weinbau. Die Basilika „Johannes der Täufer“ wurde 1130 eingeweiht und gab Kloster und Gemeinde den Namen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde das Kloster und große Teile der Weinberge zerstört. Der Fürstabt von Fulda Konstantin von Buttlar (1679-1726) kaufte 1716 dem Mainzer Kurfürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1655-1729) die Reste für 75.392 Gulden ab, ließ das Gebäude abreißen und dort ein dreiflügeliges, barockes Schlossgebäude als Sommerresidenz errichten. Ein riesiger Keller mit 250 Meter Gesamtlänge wurde im Jahre 1721 an den alten Keller angebaut.
Der deutsche Dichter und Weinfreund Heinrich Heine (1797-1856) schrieb geradezu enthusiastisch über den Johannisberg: „Mon Dieu, wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe“. Viele weitere berühmte Personen liebten den Johannisberger Wein, darunter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dem man zu seinem 66. Geburtstag einen Riesling Johannisberg Cabinet des Jahrgangs 1748 kredenzte, der Autor des berühmten Romans „Lederstrumpf“ James Fenimore Cooper (1789-1851) und der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941). Goethe besuchte das Schloss Johannisberg im Jahre 1814 und schrieb darüber: „Der Johannisberg thront über alles. Die Magnaten haben unter sich keinen Rangstreit. Hochheimer, Johannisberger und Rüdesheimer lassen einander gelten, nur unter den Göttern niederen Ranges herrscht Eifersucht und Neid“.
In einem Brief schrieb Thomas Jefferson (1743-1826), der spätere US-Präsident, nach einer Rheinreise im Jahre 1788: „Unterbrecht Eure Reise in Rüdesheim und am Kloster Johannisberg, um dort die Weinberge und Weine zu prüfen, letzterer ist der beste, der am Rhein hergestellt wird, er ist unvergleichlich und kostet etwa soviel wie der älteste Hochheimer. Der Jahrgang 1775 ist der beste“. Im selben Jahr ereignete sich auf dem Johannisberg die berühmte Geschichte vom Spätlesereiter, wovon eine Skulptur im Schlosshof bekundet. Ab 1788 wurden alle Jahrgänge auf Flaschen gezogen und genaue Abfülllisten mit Herkunft, Flaschen-Preis und Füllmenge erstellt. Die Mönche begannen vermehrt selektiv zu lesen und systematisch Spätlesen und Auslesen zu erzeugen. Nach der Legende wurde im Jahre 1858 hier der erste Eiswein der Geschichte produziert.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 und der Niederlage Napoleons stand der Besitz von 1813 bis 1815 unter gemeinsamer Verwaltung von Österreich, Preußen und Russland. Im Zuge der Verhandlungen beim Wiener Kongress (1814-1815) kam es dann in Besitz des österreichischen Kaisers Franz I. (1768-1835), der es wiederum dem Fürsten Klemens Wenzel Lothar Graf Metternich-Winneburg (1773-1859) für seine Verdienste um den europäischen Frieden unter der Auflage schenkte, dass der Familie Habsburg oder deren Rechtsnachfolger jährlich ein Zehent vom Ertrag zu entrichten sei. Diese Vereinbarung gilt übrigens noch bis heute und der Nutznießer ist die Republik Österreich. Im Jahre 1942 wurde das Schloss bombardiert und fast vollständig zerstört. Der Urenkel des Staatskanzlers Paul Alfons Metternich baute es bis 1965 wieder im alten Glanz auf. Inhaber des Weingutes ist die „Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg GbR“. Verwalter ist Christian Witte und Kellermeister sind Hans Kessler und Gerd Ritter (die übrigens auch für das in Nachbarschaft liegende Weingut G.H. von Mumm verantwortlich sind). Ende 2001 wurde auf Schloss Johannisberg das 900-jährige Bestehen des Weingutes unter der Anwesenheit zahlreicher Prominenz gefeiert.
Die Weinberge umfassen 35 Hektar Rebfläche in der im Monopolbesitz befindlichen Lage Schloss Johannisberg, die sich unterhalb des Schlosses in einer Seehöhe von 114 bis 182 Meter mit 10 bis 45% Hangneigung erstreckt. Schloss Johannisberg ist administrativ ein eigener Ortsteil von Geisenheim, was mit dem Weingesetz von 1971 das Recht verleiht, den Lagennamen ohne Ortsbezeichnung auf dem Flaschenetikett zu führen. Die Böden bestehen aus steinigem Löss und Lehm mit Taunusquarz im Untergrund. Genau durch diesen Weinberg verläuft als geographische Besonderheit der 50. Breitengrad, der ja gemeinhin als nördliche Grenze für den kommerziellen Weinbau gilt. Das ausgezeichnete Mikroklima erlaubt es jedoch, dass hier auch Feigen, Mandeln und Zitronen reifen.
Nach einer Ganztraubenpressung werden die Weine langsam und kühl vergoren. Farben kennzeichnen die Qualitätsstufen. Das sind gelb für Qualitätswein, rot für Kabinett, grün für Spätlese, rosa für Auslese, rosa-gold für Beerenauslese, gold für Trockenbeerenauslese und blau für Eiswein. Als Jahrhundertwein wird der Eiswein des Jahres 1996 bezeichnet, der am 26. Dezember frühmorgens bei klirrender Kälte gelesen wurde und 180 °Oechsle Mostgewicht und 18,9 Promille Säure aufwies. Jährlich werden rund 260.000 Flaschen Wein produziert. Aus Johannisberg-Rieslinggrundweinen wird übrigens exklusiv die Sektmarke „Fürst von Metternich“ produziert; siehe dazu die ausführliche Historie unter Söhnlein.
Auch 2007 bleibt Schloss Johannisberg seiner Linie treu und präsentiert eine geschlossene Serie Johannisberg-typischer Rieslinge. Das gilt schon für die Basisweine, die aufgrund leichter Gerbstoffe ein wenig gedeckt erscheinen, aber dennoch keinen Zweifel über ihre Herkunft aufkommen lassen. In den meisten Fällen scheinen die sehr geschliffenen restsüßen Exemplare heuer den trockenen leicht überlegen zu sein, doch das Erste Gewächs stiehlt sogar den erstklassigen Edelsüßen wieder einmal die Schau. Wie schon im Vorjahr steht es an der Spitze der klassifizierten trockenen Rieslinge im Rheingau, auch wenn es sich in seiner ruhigen Art vom ziemlich expressiven Vorgänger deutlich unterscheidet. Wir werden die Entwicklung dieser beiden Antipoden mit Neugier verfolgen. Ähnliches gilt auch für die Trockenbeerenauslese, die noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten zu sein scheint.
Rheingau: Schloss Johannisberg
Weißwein, Auslese, Rosalack, Ex Bibliotheca subterranea., 34.50 €
Ein Erstes Gewächs, das Maßstäbe setzt für diese Kategorie im Rheingau und auch sonst ein hochklassiges Sortiment, bei dem bereits die Basisweine glänzen - Schloss Johannisberg bleibt weiter auf Kurs und bestätigt seine Ambitionen auch in diesem höchst problematischen Jahrgang eindrucksvoll. Die trockenen Rieslinge sind sicherlich alkoholstärker, als sie je waren, was besonders bei der trockenen Spätlese auffällt, aber dennoch zeigen alle Weine sehr deutlich ihre Herkunft. Im edelsüßen Bereich zollt nur die Beerenauslese den Bedingungen einen spürbaren Tribut. Schon letztes Jahr versprachen wir, dem gerade erst in die Dreisternkategorie aufgestiegenen Gut den Vierten nicht lange zu verweigern - und wir tun es auch nicht.
Mit dem Jahrgang 2005 erhebt Schloss Johannisberg wieder Ansprüche auf einen Spitzenplatz unter den führenden Betrieben der Region. Schon im Vorjahr fielen uns die trockenen Rieslinge besonders auf. Inzwischen sind wir sicher, dass man im Haus noch nie derart großen Wert auf die Produktion erstklassiger Rieslinge ohne nennenswerten Restzucker gelegt hat. Schon die einfacheren Weine überzeugen und die Spätlese ist ein Prachtstück, wie wir es hier nicht erwartet hätten. Da muss sich im Augenblick sogar das - ebenfalls exzellente - Erste Gewächs hinten anstellen. Doch hier ist das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen. Das gilt allerdings auch für die großen edelsüßen Weine des Jahrgangs. Der angekündigte dritte Stern ist bei dieser Leistung eine Selbstverständlichkeit und wir versprechen schon jetzt, dass wir auch mit dem Vierten nicht allzu lange zögern werden, wenn der Trend anhält. Großes Kompliment!
Eine äußerst gelungene Serie hat schloss Johannisberg dieses Jahr angestellt. Den eleganten, überwiegend schlanken Rieslingen sind die Jahrgangsprobleme nur selten anzumerken. Beeindruckt sind wir vor allem von den trockenen Weinen, die wir in dieser Qualität hier noch nicht verkosten durften. Die trockene Spätlese ist ein ungemein animierendes und dabei fast aristokratisches Prachtexemplar: bei aller Feinheit verfügt sie über Struktur und Tiefe. Ein echter Schloss Johannisberger Klassiker. Der Betrieb befindet sich im Aufwind - und kurz vor dem dritten Stern.
Nach längerer Abstinenz hat Schloss Johannisberg mit dem 2003er Jahrgang erstmals wieder Weine zur Verkostung angestellt. Die trockenen und halbtrockenen Riesling sind in ihrer geradlinigen, mineralisch geprägten Art sehr ansprechend, wenn auch jahrgangsbedingt die aus den besten Jahren bekannte Rasse und Fruchttiefe wohl nicht ganz erreicht wird. Mit steigender Restsüße werden die Weine dann deutlich tiefer und komplexer. An der Spitze des Sortiments steht eine hochkonzentrierte, betörend fruchtige Trockenbeerenauslese, die mit etwas Reife möglicherweise sogar noch zulegen kann.
Zweifellos werden hier gute Weine produziert, doch mit keinem der vorgestellten 99er kann das Gut an seine glorreichen Zeiten anknüpfen. Zumeist fehlt es ihnen an Rasse und Substanz und nur selten kommt die angestrebte klare Rieslingfrucht wirklich zur Geltung. Am besten gefallen mir in diesem Jahrgang der gut strukturierte trockene Kabinett und die feingliedrige Spätlese.
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